Der Birkhahnplan –
Visionen für Teterow 2040.


Die Bergringstadt Teterow will heute und in Zukunft ein guter Ort zum Leben sein. Das Gefühl, hier eine Heimat zu haben, in der man geborgen und vor vielen äußeren Krisen geschützt ist, soll von möglichst vielen Bewohnerinnen und Bewohnern geteilt werden. Um unseren Wohlstand zu bewahren, ist eine behutsame wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung notwendig. Dafür bietet die Bergringstadt Teterow hervorragende Voraussetzungen,

Rahmenbedingungen
Die Zukunft der Bergringstadt Teterow wird hauptsächlich hier vor Ort entschieden. Selbstverständlich spielen auch Entscheidungen eine Rolle, die auf übergeordneten Ebenen gefällt werden, nämlich im Landkreis Rostock, im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und für den Staat Bundesrepublik Deutschland. Schließlich wirken auch globale Kräfte auf uns ein, vor allem durch die weltweite Verflechtung der Wirtschaft. Aber fast überall hat die Stadt Einflussmöglichkeiten oder sogar ein Mitspracherecht. Diese kann der Bürgermeister ausüben.

Nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung Deutschlands hat die Bergringstadt Teterow eine Phase des Aufbruchs erlebt. Das schön restaurierte Stadtbild, die angesiedelten Unternehmen und das vielfältige bürgerschaftliche Engagement gehen darauf zurück. Doch in den letzten Jahren haben sich in der Kommune Unzufriedenheit und fehlende Zuversicht breitgemacht. Das gilt es nun mit einem erneuten Aufbruch zu überwinden.

Das Amt des Bürgermeisters
Unser Bürgermeister repräsentiert die Bergringstadt Teterow; er vertritt alle Menschen, die in Teterow, Teschow, Niendorf und Pampow leben. 

Um die Zukunft der Stadt zu gestalten, arbeitet der Bürgermeister eng mit der Stadtvertretung zusammen. Die von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Stadtvertreter treffen die wichtigen Entscheidungen und bestimmen damit die Richtung, wie sich die Stadt weiterentwickeln soll. Viele Beschlüsse der Stadtvertretung werden vom Hauptausschuss vorbereitet, den der Bürgermeister leitet. Die notwendigen inhaltlichen Diskussionen werden zuvor im jeweils zuständigen Fachausschuss geführt, der dem Hauptausschuss abschließend eine Beschlussempfehlung gibt. Im Teterower Rathaus arbeiten acht Fachausschüsse und der Rechnungsprüfungsausschuss. Für die Umsetzung der Beschlüsse der Stadtvertretung sorgt der Bürgermeister und er erstattet ihr dann auch Bericht darüber und über andere Arbeitsergebnisse der Stadtverwaltung.

Der Bürgermeister ist der Leiter der Stadtverwaltung und damit direkter Vorgesetzter aller Beschäftigten im Rathaus. In dieser Eigenschaft kann er darauf Einfluss nehmen, wie Anliegen der Bürgerinnen und Bürger bearbeitet werden und was Priorität haben soll.

Da der Bürgermeister - wie oben beschrieben - Beschlüsse der Stadtvertretung nicht vorgeben kann, sind seine Möglichkeiten zur Gestaltung der Stadtpolitik begrenzt. Die zuweilen erzeugte Erwartung, man könne dem neuen Bürgermeister einen Wunschzettel von umzusetzenden Maßnahmen auf den Weg geben, ist deshalb falsch. Das Bürgermeisteramt erfordert vielmehr persönliche Qualitäten wie Kommunikationsfähigkeit, Überzeugungskraft und Menschenkenntnis.


Städtische Planungen
Die wichtigste Grundlage für die Weiterentwicklung der Stadt ist der Flächennutzungsplan, der für die Behörden bindend ist. Er zeigt durch Text und Karten auf, welche Flächen für Wohngebiete, Gewerbegebiete, Verkehr, Erholung und andere Nutzungen vorgesehen sind. Sein Zweck ist also nicht die Darstellung des Ist-Zustandes, sondern vielmehr eine in die Zukunft gerichtete Entwicklungsplanung. Der gültige Flächennutzungsplan der Bergringstadt wurde 2022 zum 12. Mal geändert.

Die im Flächennutzungsplan dargestellten Bodennutzungen sind durch Bebauungspläne für einzelne Teile des Gemeindegebiets konkretisiert und rechtsverbindlich festgesetzt. Gemeinsam bilden Flächennutzungspläne und Bebauungspläne die gemeindliche Bauleitplanung.

Als strategisches Instrument für die Stadtplanung hat Teterow ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK). Es wurde kooperativ mit städtischen Institutionen, Fachplanungen, Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet und beschreibt die verschiedenen Ziele, Handlungsfelder und Projekte für die Entwicklung der Stadt bis 2035. Die Stadtvertretung hat Anfang 2024 eine 2. Fortschreibung als ISEK 2023 beschlossen. Es dient nun als Grundlage für die Stadtentwicklung und die dafür notwendigen, sachgerechten Einzelentscheidungen der Stadtvertretung.

Das ISEK informiert themenübergreifend mit Daten, Analysen und Projektideen aus den wichtigsten Bereichen wie Bildung, Wirtschaft, Verkehr, Bauen, Grün und Energie. Es wurde mit intensiver Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet und stellt eine hilfreiche Grundlage für die Beantragung von Fördermitteln dar.

Weitere Vorgaben für die Entwicklung von Teterow hat die Stadtverwaltung in Form von Satzungen, Richtlinien und Konzepte erarbeitet. Sie betreffen die Gestaltung ausgewählter Ortsteile oder regeln bestimmte Bereiche des gemeinschaftlichen Zusammenlebens.


Landkreis Rostock und Land Mecklenburg-Vorpommern
Laut Landesverordnung gehört die Stadt Teterow der Planungsregion Region Rostock an. Im „Regionalen Raumentwicklungsprogramm“ ist ausgeführt, dass Teterow ein Mittelzentrum ist, das einen Entwicklungsschwerpunkt im ländlichen Raum darstellt. Damit die Bergringstadt ihre überörtlichen Aufgaben erfüllen kann, die sich aus der regionalen Verflechtung eines Mittelzentrums ergeben, soll sie in ihrer Leistungskraft gestärkt werden. 

Im Landesentwicklungsprogramm von Mecklenburg-Vorpommern steht dazu: „Im regionalen Kontext sind die Mittelzentren die wichtigsten Standorte für Wirtschaft, Handel, Dienstleistungen und Verwaltung. Hier konzentrieren sich Arbeitsplätze und Versorgungseinrichtungen, Dienstleister und Verwaltungen, Kultur-, Sport- und Freizeiteinrichtungen, Bildungs- und Sozialeinrichtungen in zumutbarer Entfernung von den Lebens- und Wohnstandorten der Bevölkerung. Als Knotenpunkte des ÖPNV sind Mittelzentren in der Regel gut an das Verkehrsnetz angeschlossen und ermöglichen den Menschen ihres Einzugsbereiches eine angemessene gesellschaftliche Teilhabe. Starke Mittelzentren mit gut ausgebauter Infrastruktur und gut aufgestellten Wirtschaftsbetrieben sind ein wesentlicher Haltefaktor für (junge) Menschen in der Fläche, ein Garant für lebendige ländliche Räume und ein wesentlicher Faktor für die Zukunftsfähigkeit Mecklenburg-Vorpommerns. Um dies zu halten oder weiterzuentwickeln, bedarf es einer gezielten Unterstützung der Mittelzentren“.
hhttps://www.planungsverband-rostock.de/wp-content/uploads/2025/12/1_1_Textteil_RREPRostockEntwurfSept25.pdf: Der Birkhahnplan.
Aktuell befindet sich das „Regionale Raumentwicklungsprogramm des Planungsverbandes Region Rostock“ in der Überarbeitung. Vorrangig geht es dabei um die Festlegung von Eignungsflächen für die Errichtung von Windenergieanlagen und die Ausweitung von Gewerbeflächen. Die Bergringstadt hat in ihren Stellungnahmen zu den vorliegenden Entwürfen die Energieversorgung der Stadt und die Bahnanbindung nach Rostock thematisiert.

Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern hat bei einer Reihe von politischen Themen die Hoheit, zum Beispiel Bildung, Polizei und Naturschutz. Für die räumliche Entwicklung von Teterow spielt der Naturschutz eine bedeutende Rolle, denn die Bergringstadt ist von mehreren Schutzgebieten umgeben. Die Belange des Naturparks Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See sind ebenso zu beachten wie die Verordnungen der benachbarten nationalen und europäischen Schutzgebiete. Die Verwaltung des Naturparks ist Teil des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie MV. Sie plant in den nächsten Jahren eine Überarbeitung des Naturparkplans, der sowohl Schutzmaßnahmen als auch die touristische Erschließung behandelt.

Wirtschaft & Tourismus

Die ökonomische Welt hat sich in den vergangenen 35 Jahren sehr stark verändert und jede deutsche Kommune vor tiefgreifende Herausforderungen gestellt. Während Unternehmen ihre Aktivitäten und Märkte über Grenzen hinweg durch die Globalisierung und Digitalisierung ausdehnen konnten, bleiben Städte und Gemeinden auf die vor Ort verfügbaren Ressourcen beschränkt. Untereinander nahm die Konkurrenz erheblich zu, wenn es um die Erhaltung von Arbeitsplätzen oder die Ansiedlung neuer Unternehmen ging. Zudem waren die aufgetretenen Krisen – Finanzkrise, Fluchtbewegungen und Pandemie – mit erheblichen Belastungen für die kommunalen Haushalte verbunden. Schließlich hat die Digitalisierung viele Prozesse stark beschleunigt, die Verwaltung zu umfangreichen Investitionen gezwungen und das Konsumverhalten der Bevölkerung massiv beeinflusst.

Die Bergringstadt Teterow hat den Wandel recht gut gemeistert. Zum Ende des 20. und Beginn des 21. Jahrhunderts siedelten sich hier Unternehmen an, die zu modernen Wachstumsbranchen wie der Medizintechnik, der Elektrotechnik und der Kunststoffverarbeitung gehören. Gleichzeitig konnten Bürgerinnen und Bürger Vermögen bilden, das sie teilweise in die Sanierung alter Gebäude investierten. Die Phase des Aufbruchs hat Wohlstand verbreitet, der Stadt solide Finanzen beschert und all das Gute geschaffen, das noch heute da ist.

Doch den neuerlichen Herausforderungen unserer Zeit schien die Bergringstadt nicht mehr gewachsen zu sein, denn Unzufriedenheit und fehlende Zuversicht haben um sich gegriffen. Während die Stadtverwaltung viele Aufgaben beherzt angeht und notwendige Planungen wie das Integrierte Stadtentwicklungskonzept ISEK und die Kommunale Wärmeplanung vorantreibt, fehlt dem Bürgermeister oft der Rückhalt und notwendige Entscheidungen werden verzögert. Das beeinträchtigt auch die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes.
https://www.teterow.de/fileadmin/Dateien/Fortschreibung_ISEK/3.ISEK_Bergringstadt_Teterow_Bericht_Endfassung.pdf: Der Birkhahnplan.

In Gesprächen, die im amtierenden Wirtschaftsförderausschuss der Stadtvertretung geführt worden sind, haben Vertreter der ansässigen Betriebe als Hemmnisse nicht nur überregional wirksamen Faktoren wie hohe Kosten für Rohstoffe und Energie, wachsende Bürokratie und unsichere konjunkturelle Aussichten genannt, sondern auch auf ein hausgemachtes Problem hingewiesen: Fachkräftemangel. Es gelingt in Teterow nicht, genügend Nachwuchskräfte anzuwerben. Während die Beschäftigten älter werden und bald in den Ruhestand gehen, bleiben Ausbildungsplätze unbesetzt. Für zuziehende Fachkräfte fehlt geeigneter Wohnraum.

Gleichzeitig steht der Einzelhandel unter enormem Druck durch die Konkurrenz von Online-Handelsunternehmen. Einige Teterower Geschäfte bieten ihre Waren inzwischen auch online an, aber zu viele Kunden nutzen die bequeme Bestellung bei den großen Anbietern im Internet, zumal wenn deren Preise trotz Lieferdienst ein paar Cent günstiger sind als die im Einzelhandel vor Ort. Die Entwicklung ist kaum zu stoppen, obwohl allen klar sein müsste, wie schädlich der Online-Handel für die Gesellschaft ist. Denn das an die global agierenden Firmen überwiesene Geld verlässt Deutschland sofort und kehrt in aller Regel auch nicht in Form von Steuern zurück. Und die Lieferanten können teilweise nicht vom Lohn allein leben, sondern bekommen staatliche Hilfe dazu. Es wäre also viel wirtschaftlicher, im Laden an der Ecke zu kaufen, dessen Betreiber die Einnahmen an anderer Stelle wieder in den Wirtschaftskreislauf unserer Kommune einspeist.
Die Situation erfordert neue Impulse, damit die Bergringstadt Teterow einen zweiten Aufbruch erlebt. Zu berücksichtigen sind dabei die Vorgaben der Regionalplanung und die hier bereits vorhandenen Ressourcen.


Ökonomische Zukunftsperspektiven
Das Regionale Raumentwicklungsprogramm des Planungsverbandes Region Rostock sieht eine Ausweitung von Gewerbegebieten in Rostock, Laage und Güstrow vor, jedoch nicht in Teterow. Es ist deshalb davon auszugehen, dass über die im Flächennutzungsplan der Bergringstadt ausgewiesenen Gewerbeflächen keine zusätzlichen verfügbar werden. Deshalb muss der Schwerpunkt der Wirtschaftsförderung bei Maßnahmen liegen, die bereits ansässige Unternehmen stärken oder bisher ungenutzte Potenziale mobilisieren. Die gemeinsamen Ziele von Stadtverwaltung, Wirtschaft und Bevölkerung sollten zum einen kommunale Maßnahmen zur Unterstützung der in Teterow ansässigen Industrie- und Handwerksbetriebe sowie des Handels und der Dienstleistungsunternehmen sein. Dabei mag es einfacher sein, den Erhalt vorhandener Läden und Unternehmen zu erreichen, beispielsweise durch die Anregung von Übernahmen, als neue Start-ups anzuwerben. Zum anderen sollte sanfter Tourismus als eine zusätzliche Einkommensquelle für Bürgerinnen und Bürger der Stadt entwickelt werden.

Zur Steigerung der Wirtschaftskraft ist der Zuzug von jungen Menschen wichtig – und ebenso die Rückkehr von ehemaligen Bewohnern der Bergringstadt. Deren Arbeitsplätze müssen nicht alle in Teterower Betrieben sein, sondern können auch außerhalb gefunden werden, beispielsweise in Güstrow, Laage oder Rostock. Dort sieht das Regionale Raumentwicklungsprogramm die Förderung neuer Gewerbegebiete vor, nämlich für die Wasserstoff- und Marineindustrie im Güstrower Norden, die mit dem Flughafen verbundene Industrie und Logistik in Laage-Kronskamp und die Ausweitung des Rostocker Überseehafens.

Schließlich gilt es auch, Menschen hierher zu locken, die zumeist im Homeoffice arbeiten und einen zugehörigen Firmensitz nur selten aufsuchen müssen. Die gute Versorgung mit schnellen Datenverbindungen über das Glasfasernetz ist für diese Beschäftigten sehr wichtig. Außerdem benötigen viele von ihnen gute Verkehrsverbindungen in die umliegenden Städte oder die Metropolen Rostock, Hamburg und Berlin. Der Bezug zum Themenfeld Mobilität & Energie ist deshalb für diese Menschen wichtig.

Durch die zentrale Lage in Mecklenburg-Vorpommern an der West-Ost-Bahnverbindung zwischen Lübeck und Szczecin und nahe der Nord-Süd-Bahnverbindung zwischen Rostock und Berlin sowie der parallelen Autobahn A19 ist Teterow verkehrstechnisch hervorragend angebunden. Das kann noch verbessert werden, wenn die Forderungen der Stadt nach einem zweigleisigen Ausbau der Bahnverbindungen nach Güstrow und Neubrandenburg sowie einem schnelleren Bahnanschluss nach Rostock über die geplante Lalendorfer Kurve erfüllt werden. So würde Teterow enger an die Regiopole „Greater Rostock“ heranrücken.

Für den Tourismus bietet die Bergringstadt Teterow bisher im Wesentlichen drei Attraktionen: Die Rennen auf dem Bergring, die Burgwallinsel und den Golfplatz Teschow. Nachdem die Bergringrennen in den vergangenen Jahren wegen der Corona-Pandemie und organisatorischer Probleme mehrfach ausgefallen sind, werden die traditionellen Veranstaltungen hoffentlich ab 2026 wieder stattfinden. Die Attraktivität der Burgwallinsel als Ausflugziel hat jedoch stark gelitten, weil die Gaststätte Wendenkrug nicht geöffnet und der Fährverkehr zeitweise eingestallt waren. Eine dazu auf Wunsch der Stadtvertretung von den Stadtwerken eingerichtete Arbeitsgruppe ist Ende 2025 mit überschaubarem Ergebnis auseinander gegangen.
Bürgermeister Andreas Lange hatte eine konstruktive Zwischenlösung entwickelt, um die kommende Saison auch dann überbrücken zu können, wenn eine zügige Neuverpachtung des Wendenkrugs nicht gelingen sollte. Der bisherige Pachtvertrag endete zum 31.12.2025 und dann sei eine Prüfung des Gebäudes, der gastronomischen Ausstattung und möglichen Nutzung erforderlich. Die Stadtverwaltung wird den Betrieb der Fähre und des Fahrgastschiffs „Regulus“ im Jahr 2026 aufrechterhalten. Sollte die Bewirtschaftung des Wendenkrugs im laufenden Jahr nicht sicher sein, könnte vielleicht ein Kiosk den gewohnten Erholungsverkehr auf der Insel befördern. Im Laufe des Jahres 2026 müsste aber von der Arbeitsgruppe eine bessere langfristige Lösung erarbeitet werden. 

Da es bisher an einer übergreifenden Vorstellung fehlt, wie sanfter Tourismus auf der Burgwallinsel entwickelt und konkurrenzfähig werden kann, wird nachfolgend ein entsprechender Vorschlag gemacht. Die Ideen sind eng mit anderen Themen der Stadtentwicklung verzahnt und deshalb Bestandteil dieses Birkhahnplans.


Eine Vision für die Burgwallinsel
Die Burgwallinsel wird als ein Sehnsuchtsort zum zentralen Element in der Tourismusregion Mecklenburgische Schweiz entwickelt. Als Leuchtturmprojekt wird sie zu einem Ort der Entschleunigung und des Wissens, an dem Geschichte, Naturerlebnis und Entspannung vereint sind. 
Das Konzept basiert auf drei Säulen, die ihre Erschließung für den sanften Tourismus stark begünstigen, nämlich

- den Burgwall als Bodendenkmal der slawischen Geschichte,

- die umgebende naturnahe Landschaft mit dem Teterower See und seiner Vogelwelt,

- die Nähe zur historischen Altstadt von Teterow und dem Ortsteil Teschow mit ihren gastronomischen und kulturellen Angeboten.

Die vorhandene Gaststätte Wendenkrug, das nahe Naturbad mit dem Kiosk Bootsmann, das benachbarte Naturschutzgebiet mit der Insel Sauerwerder und die Jugendherberge am See sind weitere vorhandene Bestandteile, die bei der Entwicklung der Burgwallinsel einzubeziehen sind.

Als neue Attraktion wird eine Außenstelle des Stadtmuseums Teterow vorgeschlagen. Deren Standort könnte nördlich des Parkplatzes am Burgwallweg sein, wo heute eine wenig genutzte Grünlandfläche zwischen dem Wirtschaftsweg und dem Naturschutzgebiet Binsenbrink ist. Das neue Gebäude sollte als Portal wirken, an dem der Besucher auf die Besonderheiten des Ortes vorbereitet und eingestimmt wird. Das Gebäude müsste in seiner Holzbauweise zur Slawengeschichte passen und ein Café, einen kleinen Shop und sanitäre Anlagen beherbergen. Eine Ausstellung könnte über die Natur sowie die Geschichte der Slawen auf der Burgwallinsel informieren, beispielsweise mit einem Modell des slawischen Bohlenwegs. Wenn eine benachbarte Freifläche für Veranstaltungen genutzt werden kann, wäre hier ein geeigneter Ort für die jährlichen Treffen der Mittelalter- bzw. Wikinger-Vereine.

Von dem neuen Gebäude aus könnte am Rande des Naturschutzgebietes ein Wanderweg verlaufen, Der zumindest abschnittsweise der Konstruktion der historischen Bohlenbrücke zeigt, die einmal von Süden zur Burgwallinsel gereicht hat. So würden die ingenieurtechnischen Leistungen der Slawen sichtbar. Vom Seeufer gegenüber der Nordspitze der Burgwallinsel sollte der Übergang zur Insel über eine Fußgängerbrücke führen. Die Brücke müsste in der Nähe des Wendenkrugs enden, ohne das Bodendenkmal des slawischen Burgwalls zu beeinträchtigen. Sie müsste so hoch sein, dass alle den See nutzenden Segler darunter hindurch fahren können. Dadurch hätte man von der Brücke aus auch einen guten Einblick in das Naturschutzgebiet mit seinem Erlen-Bruchwald und dem Schilfgürtel am See.
Möglicherweise ist es für die Wassersportler auch attraktiv, wenn die Durchfahrt für Boote südlich der Insel am Brügghob vergrößert wird. Als Ausgleich für die mit einem Brückenbau und der Erweiterung der südlichen Durchfahrt verbundenen Eingriffe in das Naturschutzgebiet bzw. EU-Vogelschutzgebiet wäre es sinnvoll, das NSG Besenbrink am Seeufer entlang nach Norden zu erweitern. Sollte eine Fußgängerbrücke aus Gründen des Natur- oder Denkmalschutzes nicht am Nordende der Burgwallinsel erbaut werden dürfen oder wegen der Segler bautechnisch zu aufwendig sein, dann wäre über eine Seilbahnverbindung nachzudenken. Hierbei würden die Besucher über den Bruchwald und den Teterower See schweben und in aller Ruhe den Naturraum von oben betrachten können.

Mit dieser Infrastruktur hätten Ausflügler die Möglichkeit zu einem Rundweg, der an der Außenstelle des Stadtmuseums beginnt, über die Fußgängerbrücke auf die Burgwallinsel führt, wo man den Burgwall und die Insel erkunden und im Wendenkrug einkehren kann, um dann mit der Fähre zum Burgwallweg überzusetzen und zum Parkplatz zurückzukehren. Die entgegengesetzte Runde wäre selbstredend ebenso möglich.

Der Abzweig auf den Sauerwerder sollte dafür genutzt werden, auf der kleinen Insel mehr über die Naturschätze am Teterower See erfahren zu können. Das dort vorhandene Gebäude könnte die Unterkunft für einen Gebietsbetreuer sein, der Besuchern seine Kenntnisse vermittelt und besondere Naturerlebnisse ermöglicht. Denn der Teterower See ist zu allen Jahreszeiten ein lohnendes Beobachtungsgebiet vor allem für Vogelkundige.

Neben der Natur wären die Slawen hier ein Thema, das für geschichtsinteressierte Besucher, aber auch Wissenschaftler attraktiv ist. Auf der Burgwallinsel sollten deshalb im Bereich des Wendenkrugs mehr Information über den slawischen Burgwall angeboten werden, beispielsweise durch die Aufstellung von Tafeln. Neben diesen Informationsangeboten könnte eine Kooperation mit Universitäten entwickelt werden, die saisonal Feldlabors einrichten oder Forschungsprojekte durchführen. Ebenso sollte es Schulklassen möglich sein, auf der Burgwallinsel und dem Sauerwerder Projektunterricht durchzuführen und so Lerninhalte der Biologie, Geschichte oder Geografie im Freien zu erleben.


Zusätzlich könnte die Burgwallinsel auch in ihrer Eigenschaft als abgeschiedener ruhiger Ort genutzt werden. Hier wäre die Entwicklung eines besonderen Beobachtungsortes für den nächtlichen Sternenhimmel – also ein Sternenpark – denkbar. Sofern die Gästezimmer im Wendenkrug dafür geeignet sind, könnte die Insel als ausgesprochen ruhiger Rückzugsraum für Gäste angeboten werden, als ein Retreat. Insbesondere zur Entspannung und Erholung von Individualtouristen, die gezielt besondere Erlebnisse in Abgeschiedenheit suchen. Neben den Gästezimmern im Wendenkrug mögen auch Übernachtungsmöglichkeiten in der Natur, also in Baumhäusern oder einfachen Schlafkojen von Touristen nachgefragt werden, die spezielle Erlebnisse suchen. Außerdem sollten am See zusätzliche Möglichkeiten geschaffen werden, mehrere Tage einen Camper oder ein Wohnmobil zu parken.

Das Fahrgastschiff „Regulus“ sollte eine regelmäßige Verbindung zur Burgwallinsel anbieten, und zwar sowohl vom Teterower Naturbad als auch von der Anlegestelle Teschow aus. Besondere Rundfahrten in Sommernächten und Extrafahrten anlässlich von Konzerten oder anderen Veranstaltungen auf der Burgwallinsel würden das Fährangebot ergänzen. Für private Bootseigner oder Paddler ist bereits geplant, nahe des Naturbads Möglichkeiten zu schaffen, ihre Wasserfahrzeuge einzusetzen.
Die Tourismusregion kann vom Burgwall aus weiter erschlossen werden. Von hier sind für Wanderer und Fahrradfahrer die Teterower Innenstadt und das Naturschutzgebiet Heidberge gut erreichbar. Beide Ziele bieten ganz andere Eindrücke und Erlebnisse als der Burgwall und verlocken mit eigenen gastronomischen Angeboten. Auf den Heidbergen sind der Naturlehrpfad, den man noch erweitern kann, und der Bergring als Attraktionen hervorzuheben.


Städtebau & Wohnen
Ein zweiter Aufbruch der Bergringstadt Teterow wäre erfolgreich, wenn es gelänge, dass die Bevölkerung bis zum Jahr 2040 auf 10.000 Personen anwächst. Der Schlüssel für eine positive Bevölkerungsentwicklung liegt zweifellos beim Wohnraum-Angebot. Ältere Bürgerinnen und Bürger müssen ebenso wie junge Familien den für ihre jeweilige Lebensphase geeigneten Wohnraum finden können. Doch momentan fehlen sowohl kleine altersgerechte Mietwohnungen als auch größere für Familien mit Kindern. So ist es im Integrierten Stadtentwicklungskonzept ISEK von Teterow beschrieben. Auch günstige Baugrundstücke für junge Paare und Familien, die sich in der Stadt ansiedeln möchten, sind nicht ausreichend vorhanden.

Für die Wohnraumsituation gibt es keine einfache Lösung. Denn einerseits sind die übergeordneten Rahmenbedingungen derzeit ungünstig – geringe Rendite für Investoren, hohe Baukosten, hoher Eigenkapitalbedarf bei Immobilienerwerb oder -neubau – andererseits sind trotz starker lokaler Bemühungen und mancher Erfolge nur noch relativ wenige Baugrundstücke in der Kommune verfügbar. Deshalb sind alle Stellschrauben zu bedienen, die einen Beitrag zur Verbesserung des Angebots liefern können, aufbauend auf dem unter breiter Beteiligung entwickelten ISEK. 

Dem Grundsatz folgend, dass der Wohnungsbau unter Berücksichtigung einer flächensparenden Bauweise auf die zentralen Orte zu konzentrieren ist, soll die städtebauliche Entwicklung vorrangig durch Maßnahmen der Innenentwicklung von Teterow erfolgen. Das bedeutet, die bestehenden Leerstände sollten erfasst, gegebenenfalls renoviert und dem Wohnungsmarkt zugeführt werden. Das kann auch für ehemalige Ladenräume in der Innenstadt gelten, denn der zunehmende Online-Handel wird voraussichtlich verhindern, dass die Einzelhändler, die aufgeben mussten, zurückkehren. Das 2010 erarbeitete und 2018 fortgeschriebene Einzelhandelskonzept für das Mittelzentrum Teterow müsste deshalb wohl aktualisiert werden.
Doch die Stadtverwaltung kann letztlich nur anregend wirken, Maßnahmen müssen von den jeweiligen Grundeigentümern umgesetzt werden. Das gilt auch für die Veränderung vorhandener Gebäude mit dem Ziel, zusätzliche Wohnungen zu schaffen oder lebensphasen-gerechtes Wohnen zu ermöglichen, beispielsweise durch Aufstockung von Wohnblocks oder der Bau von Mehrgenerationen-Häusern. Altersgerechte Neubau-Wohnungen sollten vorzugsweise Senioren angeboten werden, die jetzt allein in größeren Wohnungen leben. Dadurch könnten Bestandsimmobilien für Familien mit Kindern frei werden. In vielen Fällen wäre ein solcher „Jung kauft Alt“-Wechsel auch für die Stadt ein Gewinn, wenn nämlich die Käufer das Objekt sanieren und modernisieren, möglichst auch mit Beteiligung ortsansässiger Handwerksbetriebe. 
Trotz aller Beschränkungen sollten aber auch städtebauliche Ideen diskutiert werden, deren Verwirklichung momentan noch nicht in Aussicht sind. Hierzu gehört die Erschließung zusätzlicher Flächen für Wohnhäuser beim ehemaligen Seebahnhof, an der Rostocker Straße Ecke Am Alten Schlachthof oder zwischen Fischersteig und Bahndamm. Visionär wäre die Erschließung des Areals an der Güstrower Straße unter Einbeziehung der heutigen Polizeistation und der alten Schule Nord als Standort eines modernen Wohnkomplexes. Hier könnten Mehrgenerationenhäuser entstehen, in denen junge Familien, Midlife-Paare und Senioren nebeneinander und miteinander wohnen, Kinder betreuen und Freizeit gestalten. Schließlich gilt es, das Grundstück des früheren Schützenheims und der ehemaligen Gaststätte „Zur Grotte“ einschließlich des rückwärtigen Parks sinnvoll zu nutzen.

Da der erwünschte Zuzug von Bürgerinnen und Bürgern – und hierzu zählt auch die Rückkehr früherer Teterower oder ihrer Kinder – von der Wohnraumsituation, der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt, den Einkaufsmöglichkeiten, den Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten, der Gesundheitsversorgung und dem weiteren Wohnumfeld abhängt, ist die Schaffung optimaler Voraussetzungen Aufgabe aller Entscheidungsträger in der Bergringstadt. Die Stadtvertretung muss dafür arbeiten, dass Teterow als attraktiver Wohnort erscheint und für Investoren interessant ist.
Aufgabe des Bürgermeisters ist es dann, dies überzeugend nach außen zu vermitteln. Zu seiner Unterstützung könnte in der Stadtverwaltung ein „Willkommensmanagement“ installiert werden. Dessen Aufgabe wäre, Bürgerinnen und Bürger, die neu zuziehen oder die in eine andere Lebensphase eintreten, zu beraten und zu begleiten. Die Herausforderung wäre, als Schnittstelle und Anlaufstelle zu wirken und die betroffenen Menschen schnell zu integrieren, sie mit lokalen Akteuren zu vernetzen und ihnen einen guten Start in ihrer neuen Heimat zu ermöglichen.

Bildung und Kultur














Gesundheit und Sicherheit











Der Name „Birkhahnplan“
Teterow wird als die Birkhahnstadt bezeichnet. Das geht auf die Adelsfamilie Berkhahn zurück, die ursprünglich wohl auf der Burgwallinsel ansässig war und später in der Familie von Moltke aufgegangen ist. Beide Familien hatten in ihren Wappen Elemente, die auch das Wappen der Bergringstadt Teterow zeigt: Ritterhelm, Pfauenfedern und rote Kreuze. Es ist denkbar, dass die Vogelart Birkhuhn, deren wissenschaftlicher Name Tetrao tetrax ist, im Mittelalter in den Mooren um den Teterower See und im Peenetal weit verbreitet und nicht selten war. Im Frühjahr mögen die lauten Geräusche der balzenden Hähne die Landschaft erfüllt haben. Heute ist die Art leider aus Mecklenburg-Vorpommern verschwunden. In Deutschland kommen Birkhühner nur noch in der Lüneburger Heide, der Rhön, dem Bayerischen Wald und den Alpen vor.

Den Bezug zum Birkhuhn hat auch der Schriftsteller Rolf Kahl in seinem historischen Roman „Rauher Wind am Birkhuhnsee“ genutzt, in dem Teterow als zentraler Ort der Handlung den Namen „Birkhahnort“ trägt.